Dieselbe Woche Paris kann knapp sechsmal so viel CO₂-Äquivalente verursachen wie eine andere. Den Unterschied machen nur zwei Entscheidungen: wie man anreist und wo man schläft.


Eine Woche in Paris – wie klimafreundlich ist diese Reise? Die Antwort klingt zunächst nach einer banalen Rechenaufgabe. Kilometer eingeben, Verkehrsmittel auswählen, CO₂-Wert ablesen. Wer genauer hinsieht, merkt schnell, dass es den einen CO₂-Fußabdruck einer Reise nicht gibt.

Zur Klimabilanz gehören nicht nur An- und Abreise, sondern auch Unterkunft, Mobilität vor Ort, Ernährung und Aktivitäten. Selbst der Begriff „CO₂-Fußabdruck“ greift zu kurz. Auch andere Treibhausgase wie Methan und Lachgas erwärmen das Klima. Über sogenannte CO₂-Äquivalente (CO₂e) lassen sie sich vergleichbar machen. Besonders kompliziert wird es beim Fliegen.

Ein Flug verursacht mehr als CO₂

Wird ein Kilogramm Kerosin verbrannt, entstehen laut Umweltbundesamt rund 3,15 Kilogramm CO₂. Dabei bleibt es nicht. Flugzeuge stoßen zusätzlich Wasserdampf, Stickoxide und Partikel aus. In Reiseflughöhe beeinflussen diese Stoffe chemische und physikalische Prozesse in der Atmosphäre. Stickoxide verändern etwa die Konzentrationen von Ozon und Methan, unter bestimmten Bedingungen entstehen Kondensstreifen und daraus langlebigere Kondensstreifen-Zirren.

Diese sogenannten Nicht-CO₂-Effekte sind keineswegs nebensächlich. Nach einem Forschungsbericht des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) im Auftrag des Umweltbundesamts geht die Wirkung bisheriger Luftverkehrsemissionen auf die aktuelle Strahlungsbilanz der Atmosphäre zu annähernd zwei Dritteln auf Nicht-CO₂-Effekte zurück.

Woher die Erwärmung durch den Luftverkehr stammt
Beitrag zur aktuellen Strahlungsbilanz100 %

CO₂ (rund ein Drittel)Nicht-CO₂-Effekte wie Kondensstreifen-Zirren und Stickoxide (rund zwei Drittel)

Vereinfachte Darstellung. Quelle: DLR im Auftrag des Umweltbundesamts, Klimawirkung des Luftverkehrs.

Wie ungleich sich diese Wirkung verteilt, beschreibt das DLR auf seiner Themenseite zur Klimawirkung des Luftverkehrs: „Das Auftreten dieser Wolken ist zeitlich und räumlich äußerst variabel, so dass eine relativ kleine Anzahl von Kondensstreifen für einen großen Teil der wärmenden Wirkung verantwortlich ist.“

Das bedeutet allerdings nicht, dass jeder Flug pauschal die dreifache Klimawirkung seines CO₂-Ausstoßes verursacht. Entscheidend sind unter anderem Flughöhe, Route, Temperatur und Luftfeuchtigkeit. Zwei Flüge mit ähnlichem Kerosinverbrauch können deshalb unterschiedlich stark auf das Klima wirken. Das Umweltbundesamt arbeitet in seinen Durchschnittswerten deshalb mit einem pauschalen Gewichtungsfaktor von 1,5 für die Nicht-CO₂-Effekte.

Genau hier liegt ein grundsätzliches Problem von CO₂-Rechnern. Sie liefern Modellwerte, keine Messung einer individuellen Reise. Je nachdem, welche Annahmen und Systemgrenzen ein Rechner verwendet, weichen die Ergebnisse voneinander ab. Die folgenden Zahlen sind deshalb keine Werte bis auf die Nachkommastelle. Aussagekräftig sind ihre Größenordnungen.

Frankfurt–Paris: Wie entscheidend ist die Anreise?

Nehmen wir eine konkrete Reise. Eine Person fährt für eine Woche von Frankfurt nach Paris und übernachtet in einem zentralen Hotel. Die Luftlinie zwischen beiden Städten beträgt rund 475 Kilometer, die Strecke über Land etwa 570 Kilometer.

Als Grundlage für den Vergleich der Verkehrsmittel dienen die Durchschnittswerte des Umweltbundesamts für 2024. Sie stammen aus dem Emissionsmodell TREMOD, das das Heidelberger Institut für Energie- und Umweltforschung (ifeu) für das Umweltbundesamt führt. Hin- und Rückfahrt zusammengerechnet ergibt sich folgendes Bild.

Anreise Frankfurt–Paris und zurück, eine Person
VerkehrsmittelEmissionsfaktorHin & zurück
Zug (Fernverkehr)26 g CO₂e/Pkm30 kg
Auto, allein (Benziner)231 g CO₂e/km*263 kg
Flugzeug (inkl. Nicht-CO₂-Effekte)290 g CO₂e/Pkm276 kg

* Hochgerechnet aus dem UBA-Wert für Benzin-Pkw (165 g/Pkm) bei durchschnittlich 1,4 Personen pro Auto. Quelle: Umweltbundesamt, TREMOD 6.71B (10/2025), eigene Berechnung.

Zum Abgleich habe ich dieselbe Strecke mit EcoPassenger gerechnet, einem CO₂-Rechner, den das ifeu bereitstellt und der auch bei Quarks eingebunden ist. Die Flugwerte habe ich zusätzlich mit dem ICAO Carbon Emissions Calculator und den Angaben von Google Flights gegengeprüft. Die Ergebnisse lagen in derselben Größenordnung. Für die einfache Strecke kam EcoPassenger mit einer Person im Auto auf 14,9 Kilogramm CO₂ für den Zug, 110 Kilogramm CO₂ für das Auto und knapp 115 Kilogramm CO₂ für den Flug. Wie das Umweltbundesamt bezieht EcoPassenger die Emissionen aus der Erzeugung und Bereitstellung von Strom und Kraftstoff mit ein, weist aber reines CO₂ aus und keine CO₂-Äquivalente. Beim Zug liegen beide Rechnungen damit fast gleichauf, beim Auto kommt EcoPassenger etwas niedriger heraus. Beim Flug ist der Unterschied größer. Der Standardwert von EcoPassenger enthält keinen Klimafaktor, also keinen Aufschlag für die zusätzliche Wirkung von Stickoxiden, Ozon, Wasserdampf, Ruß und Schwefel in großer Höhe. Der Rechner weist selbst darauf hin, dass dieser Wert nicht die gesamte Klimawirkung des Flugs abbildet. Der Wert des Umweltbundesamts enthält sie bereits.

Der Unterschied zwischen Zug und den beiden anderen Verkehrsmitteln ist enorm. Je nach Rechner verursacht die Autofahrt das Sieben- bis Neunfache der Bahnfahrt. Auffällig ist aber auch, dass Auto und Flugzeug in diesem Vergleich überraschend nah beieinanderliegen.

Beim Auto spielt die Besetzung eine entscheidende Rolle. Fahren mehrere Menschen gemeinsam, verteilen sich die Emissionen auf mehrere Köpfe. Eine allein reisende Person trägt die gesamten Emissionen des Fahrzeugs.

Was ändert sich mit dem Auto? Hin & zurück, pro Person
Szenariopro Personim Vergleich zum Zug
Benziner, allein263 kgrund 9-mal so viel
Benziner, zu zweit132 kgrund 4,5-mal so viel
Benziner, zu dritt88 kgrund 3-mal so viel
E-Auto, allein112 kgfast 4-mal so viel
E-Auto, zu zweit56 kgknapp doppelt so viel
Zum Vergleich: Zug30 kg–

E-Auto mit dem durchschnittlichen deutschen Strommix (UBA: 70 g CO₂e/Pkm bei 1,4 Personen pro Auto). Eigene Berechnung auf Basis TREMOD 6.71B.

Selbst zu dritt im Benziner liegen die Emissionen pro Kopf noch beim Dreifachen der Bahnfahrt. Am nächsten kommt ein gemeinsam genutztes E-Auto, aber auch das bleibt knapp beim Doppelten.

Beim Flugzeug kommt ein weiterer Faktor hinzu. Auf kurzen Strecken fallen Start, Steigflug, Landung und Rollbewegungen im Verhältnis zur gesamten Strecke stärker ins Gewicht, der energieeffizientere Reiseflug macht nur einen kleinen Teil aus. Das Umweltbundesamt rät deshalb, auf Kurzstrecken nach Möglichkeit auf Züge oder Reisebusse auszuweichen. Bei einer Strecke wie Frankfurt–Paris ist die Wahl des Verkehrsmittels damit ein großer Hebel.

Angekommen in Paris – und jetzt?

Mit der Anreise ist die Klimabilanz nicht abgeschlossen, sie markiert erst den Anfang. Wie sieht es also mit der Unterkunft aus?

Bei Unterkünften wird die Berechnung deutlich schwieriger. Wie viel eine Hotelnacht verursacht, hängt unter anderem vom Gebäude, der Energieversorgung, der Zimmergröße und der Ausstattung ab. Klimaanlage, Heizung oder zusätzliche Einrichtungen verändern den Energiebedarf.

Für Hotels lässt sich zumindest eine Größenordnung ermitteln. Mit dem Hotel Footprinting Tool von Greenview komme ich für ein 15 Quadratmeter großes Einzelzimmer in einem Pariser Drei-Sterne-Hotel auf etwa 4,2 Kilogramm CO₂e pro Nacht. Sieben Nächte ergeben rund 29 Kilogramm.

Das ist eine unerwartete Erkenntnis. Die Woche im Hotel verursacht in diesem Szenario etwa so viel wie die Bahnfahrt hin und zurück.

Mit einem höherklassigen Hotel wächst der Abstand. Bei fünf Sternen ergibt dieselbe Berechnung rund 10,5 Kilogramm pro Nacht beziehungsweise 73,5 Kilogramm für eine Woche, also mehr als das Doppelte der Bahnfahrt.

Bei Hostels und Ferienwohnungen wird der Vergleich noch unsicherer. Verschiedene Quellen kommen zu teils deutlich unterschiedlichen Ergebnissen, weil die Rechner unterschiedliche Faktoren einbeziehen. Bei Ferienwohnungen verändern Größe und Zahl der Bewohnenden den Pro-Kopf-Verbrauch zusätzlich erheblich.

Eine eindeutige Rangliste von Hostel, Hotel und Ferienwohnung wäre deshalb genauer, als es die Datenlage zulässt. Belastbarer ist die Erkenntnis, dass Standard, Energieversorgung, Größe und Belegung einer Unterkunft über die Klimabilanz mitentscheiden.

Die ganze Reise im Überblick

Fasst man Anreise und Unterkunft zusammen, werden die Größenordnungen sichtbar. Vier Varianten derselben Woche in Paris, jeweils für eine Person:

Anreise und Unterkunft, eine Woche Paris, kg CO₂e pro Person
Zug + 3-Sterne-Hotel59 kg
Auto allein + 3-Sterne-Hotel293 kg
Flug + 3-Sterne-Hotel305 kg
Flug + 5-Sterne-Hotel349 kg

Hin- und Rückreise7 Nächte Unterkunft

Ohne Mobilität vor Ort, Ernährung und Aktivitäten. Quellen: Umweltbundesamt (TREMOD 6.71B), Greenview Hotel Footprinting Tool, eigene Berechnung.

Zwischen der sparsamsten und der aufwendigsten Variante liegt fast der Faktor sechs, bei gleichem Ziel und gleicher Reisedauer. Rund 85 Prozent dieses Unterschieds entstehen auf dem Weg nach Paris und zurück.

Je individueller die Reise, desto schwieriger die Rechnung

Spätestens bei Essen, Aktivitäten und Fortbewegung innerhalb von Paris stößt die Beispielrechnung an ihre Grenzen. Eine Person läuft durch die Stadt, eine andere nimmt für jede Strecke Metro oder Taxi. Eine ernährt sich überwiegend pflanzlich, die andere isst täglich Fleisch. Ein Museumsbesuch hat eine andere Bilanz als ein Helikopterrundflug oder eine Bootsfahrt auf der Seine.

Wie groß solche Unterschiede sein können, zeigt das Essen. Nach einer Studie des ifeu verursacht eine Portion Rindergulasch rund 2,6 Kilogramm CO₂e, eine Portion Penne Napoli etwa 0,6 Kilogramm. Wer eine Woche lang jeden Tag Gulasch statt Pasta isst, kommt so auf rund 14 Kilogramm mehr. Das ist nicht wenig, fast die Hälfte der Bahnfahrt hin und zurück. Im Vergleich zur Wahl zwischen Zug und Auto, die hier rund 230 Kilogramm ausmacht, bleibt es aber klein. Die Werte gelten für selbst gekochte Gerichte, im Restaurant können sie abweichen.

Eine vermeintlich präzise Zahl für eine Woche Paris würde deshalb eine Scheingenauigkeit erzeugen. Je näher wir der individuellen Gestaltung einer Reise kommen, desto schwieriger wird eine allgemeingültige Klimabilanz. Das bedeutet jedoch nicht, dass sich daraus keine Entscheidungen ableiten lassen.

Bambuszahnbürste oder Bahnticket: Wo liegen die großen Hebel?

Nachhaltiges Reisen wird häufig an besonders sichtbaren Dingen festgemacht, etwa an der wiederverwendbaren Trinkflasche, am Verzicht auf den täglichen Handtuchwechsel oder an plastikfreier Hotelkosmetik.

Das sind sinnvolle Entscheidungen. Für die Klimabilanz einer Reise liegen die großen Stellschrauben jedoch woanders. Das Paris-Beispiel zeigt das deutlich. Allein die Wahl zwischen Zug und Auto verändert die Emissionen der Anreise um das Sieben- bis Neunfache. Auch Unterkunft, Reisedistanz und Reisedauer fallen stärker ins Gewicht. Das Umweltbundesamt empfiehlt deshalb unter anderem, nähere Reiseziele zu wählen und seltener, dafür länger zu verreisen.

Nutzlos wird die Mehrwegflasche dadurch nicht. Klima- und Umweltschutz meinen nur nicht dasselbe. Weniger Einwegplastik vermeidet Abfall, auch wenn es die CO₂-Bilanz des Urlaubs kaum verändert. Pools, Golfplätze oder künstlich beschneite Skipisten verbrauchen enorme Mengen Wasser. Das kann gerade in trockenen Regionen zum Problem werden, lässt sich aber nicht angemessen in Kilogramm CO₂ ausdrücken. Biodiversität, Flächenverbrauch, Müll und Wasserverbrauch sind weitere Dimensionen einer Reise.

Die Frage sollte deshalb nicht lauten, wie eine vollkommen klimaneutrale Reise aussieht. Schon die Berechnung zeigt, wie schwer eine solche Eindeutigkeit herzustellen wäre. Hilfreicher ist die Frage, wo die großen Hebel liegen.

Wer die Größenordnungen kennt, kann unterscheiden zwischen Entscheidungen, die vor allem ein anderes Umweltproblem adressieren, und solchen, die die Klimabilanz einer Reise tatsächlich verändern.

Manchmal beginnt nachhaltigeres Reisen eben nicht bei der Zahnbürste im Koffer, sondern bei der Frage, wie wir überhaupt ans Ziel kommen.

Quellen

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